Die sieben Kennzahlen, die jeder KMU-Unternehmer monatlich sehen sollte
Buchhaltung, die nur der Behörde dient, ist halb bezahlt. Aus denselben Daten lässt sich eine monatliche Steuerung bauen, die Entscheidungen um Wochen beschleunigt. Diese sieben Kennzahlen genügen dafür.
06. Mai 2026 · 8 Minuten Lesezeit · von Mag. Jürgen Rieger, RBB Bilanzbuchhalter GmbH, Wien
1. Rohertrag und Rohertragsquote
Umsatz minus Wareneinsatz bzw. bezogene Leistungen. Die Quote zeigt, wie viel von jedem eingenommenen Euro nach direkten Kosten übrig bleibt. Fällt sie über mehrere Monate, ist entweder der Einkauf teurer geworden oder Ihre Preise sind es nicht — beides erkennt man in der Bilanz zu spät und in der Monatsauswertung sofort.
2. Deckungsbeitrag je Auftrag oder Kunde
Der Deckungsbeitrag zeigt, welcher Teil des Geschäfts die Fixkosten tatsächlich trägt. In fast jedem Betrieb, den wir betreuen, gibt es eine Gruppe von Aufträgen, die Umsatz bringt und Ergebnis kostet. Kostenstellen oder Projektnummern in der laufenden Buchhaltung machen das sichtbar, ohne Zusatzaufwand am Jahresende.
3. Liquiditätsreichweite in Wochen
Verfügbare Mittel plus fällige Forderungen minus fällige Verbindlichkeiten, geteilt durch die durchschnittlichen wöchentlichen Auszahlungen. Diese Zahl beantwortet die einzige Frage, die im Ernstfall zählt: Wie lange komme ich ohne neue Einzahlung aus? Unter acht Wochen sollte sie nicht dauerhaft fallen.
4. Debitorenlaufzeit
Durchschnittliche Zeit zwischen Rechnungslegung und Zahlungseingang. Jeder Tag Verkürzung setzt Kapital frei, ohne dass eine einzige zusätzliche Rechnung geschrieben werden muss. Wirksam sind kürzere Zahlungsziele, sofortige Fakturierung nach Leistung und ein konsequentes, terminisiertes Mahnwesen.
5. Fixkostendeckungsgrad
Wie viel Prozent Ihrer monatlichen Fixkosten sind durch wiederkehrende, planbare Erträge gedeckt? Diese Kennzahl misst Krisenfestigkeit besser als der Umsatz. Ein Betrieb mit 60 % Fixkostendeckung aus Wartungs-, Abo- oder Rahmenverträgen überlebt einen schwachen Quartalsauftakt deutlich entspannter.
6. Eigenkapitalquote
Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme. Sie bestimmt maßgeblich Ihr Bankrating und damit Kreditzugang und Zinssatz. Nach dem Unternehmensreorganisationsgesetz gelten eine Eigenmittelquote unter 8 % und eine fiktive Schuldentilgungsdauer über 15 Jahre als Reorganisationsbedarf — ein Warnsignal, das Geschäftsführer kennen sollten.
7. Break-even-Umsatz
Fixkosten geteilt durch die Deckungsbeitragsquote ergibt den Umsatz, ab dem Sie verdienen. Die praktische Anwendung: Rechnen Sie ihn auf den Tag herunter. Zu wissen, ab welchem Tag im Monat der Betrieb ins Plus dreht, verändert die Art, wie im Team über Angebote gesprochen wird.
So kommen die Zahlen zu Ihnen
Wir liefern die Kennzahlen als monatlichen Report mit Vormonats-, Vorjahres- und Planvergleich sowie einer kurzen schriftlichen Einordnung — keine zwanzigseitige Auswertung, sondern eine Seite mit dem, was sich verändert hat. Auf Wunsch ergänzt um eine rollierende 13-Wochen-Liquiditätsvorschau.
Betriebswirtschaftliche Auswertung und Kennzahlenanalyse erbringen wir im Rahmen unserer Bilanzbuchhaltungsbefugnis. Weitergehende Unternehmensberatung sowie steuerliche Gestaltungsberatung erfolgen gemeinsam mit unseren offiziell eingetragenen österreichischen Partnern.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Ab welcher Betriebsgröße lohnt sich eine monatliche Auswertung?
Aus unserer Erfahrung ab dem Zeitpunkt, an dem Sie Personal beschäftigen oder Fremdkapital bedienen. Davor genügen oft Quartalsauswertungen.
Brauche ich dafür eine eigene Software?
Nein. Die Kennzahlen entstehen aus Ihrer laufenden Buchhaltung. Voraussetzung ist lediglich ein sauber strukturierter Kontenplan und, für Deckungsbeiträge, eine Kostenstellen- oder Projektkennzeichnung.
Unsere Befugnis — und unser Partnernetzwerk
Die RBB Bilanzbuchhalter GmbH verfügt über die Berechtigung zur Bilanzbuchhaltung nach dem Bilanzbuchhaltungsgesetz (BiBuG 2014). In diesem Rahmen erbringen wir laufende Buchhaltung, Bilanzierung, Jahresabschluss, Personalverrechnung und betriebswirtschaftliche Auswertungen eigenverantwortlich.
Alle darüber hinausgehenden Tätigkeiten — insbesondere Steuerberatung, Steuererklärungen (Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuererklärung), die Vertretung in Abgaben- und Rechtsmittelverfahren, Wirtschaftsprüfung sowie Rechts- und Gewerberechtsberatung — erbringen wir ausschließlich gemeinsam mit einem offiziell eingetragenen österreichischen Partnerunternehmen (eingetragene Steuerberatungs- bzw. Wirtschaftsprüfungskanzlei bzw. eingetragener Unternehmensberater). Die Beauftragung erfolgt transparent und mit Ihrer Zustimmung, die Verantwortung für diese Leistungen liegt beim jeweiligen befugten Partner.
Für Sie bedeutet das: ein Ansprechpartner, ein Datenbestand, ein abgestimmter Terminplan — und volle rechtliche Absicherung über das gesamte Leistungsspektrum hinweg.
Jahresabschluss GmbH: Checkliste, Fristen und Offenlegung
Welche Unterlagen der Jahresabschluss einer österreichischen GmbH braucht, welche Fristen für Aufstellung und Offenlegung gelten und wie Sie Zwangsstrafen vermeiden.
Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Bilanz? Der Vergleich für KMU
Wann Sie in Österreich bilanzieren müssen, wann die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung genügt und welche Auswirkungen der Wechsel auf Steuer, Liquidität und Aufwand hat.
Was kostet Buchhaltung in Wien? Preise, Modelle und Einflussfaktoren
Pauschalhonorar, Stundensatz oder Belegpreis: Wovon die Kosten für Buchhaltung und Lohnverrechnung in Wien wirklich abhängen und wie Sie Angebote vergleichbar machen.
